Unendliche Liebe


Spürt er denn nicht meine Angst,
meine Liebe,
meinen Hass,
meine Zuneigung,
mein Verständnis
und meine Abneigung
gegen ihn?
Diese Gefühle,
die mich zum Platzen bringen.
So viele,
in einer Sekunde,
Minute,
Stunde.
Zuerst hat diese Liebe,
unglaublich und unmöglich,
mit einer Morddrohung begonnen.
Angst, Hass und Wut.
Er ist,
dafür hasse ich ihn,
ein Mörder.
Doch er sah mich,
liebte mich,
wie er mir,
nachts, tagsüber,
versichert,
sofort.

Ich verstand ihn nicht,
werde es nie,
nie,
wirklich tun.
Er ließ mich von den anderen,
Hundert,
Geiseln holen,
zeigte mir sein Gesicht.
Verletzlich,
ängstlich,
liebevoll.
Ich weiß,
genau,
wie er mich liebt,
ehrt.
Er wollte mich gehen lassen.
Frei.
Doch ich wäre,
ohne ihn,
eingegangen wie eine Blume ohne Wasser.
Er ist mein Lebenselexier.
Mein Atem,
Herzschlag,
meine Seele,
derjenige der in meinen Träumen wohnt.
Kann nicht leben,
ohne ihn.


Ich dachte nie, dass ich eine solche Liebe eingehen würde.
Aber er hat mich geändert.
Er vertraut mir.
Heute ist es so weit.
Wir werden sterben,
wie seine Drohungen es ankündigten.
Keiner nahm es ernst.
Bis zu dieser Geiselnahme,
seinen Forderungen,
seinem Zeitlimit.
Heute.
Zehn Minuten.
Ich wandle,
wie in einem Traum,
Alptraum,
durch die Gänge,
zu seinem Zimmer.


Er ist sechzehn,
ein Jahr älter als ich.
so jung.
Warum,
verbietet es mir diese Liebe,
zu fliehen?
Ich könnte sowieso nichts dagenen machen.
Ich öffne seine Tür.
Er sieht mich.
seine Lippen,
warm und weich,
formen die Wörter,
die ich nicht hören will.
Geh,
flieh,
verschwinde.
Statt einer Antwort,
nehme ich seine Hand.
Folge ihm.

Vor der Tür, draußen, sind sie,
die Soldaten.
Sie werden zu spät kommen.
Bei den Geiseln,
mit großen Augen und salzigen Tränen auf dem Gesicht.
Nun schreit er.
Geh!
Ich presse ihm eine Hand auf den Mund.
Will es nicht hören.
Er gibt ein Handzeichen.
Männer, Jungen, seiner Gruppe, nehmen meine Arme,
schleifen mich aus dem Raum.
Schreie, entfliehen meinem Mund.
Tränen, noch mehr.
Und das letzte, was ich von ihm sehe,
ist die Träne auf der Wange.
Das letzte, was ich von ihm fühle,
der flüchtige Kuss, der auf meinen Lippen brennt.


Ich bin an der Tür angelangt,
sie schleifen mich heraus.
Die Soldaten rühren sich nicht,
die beiden Jungen schlagen die Tür zu
und lassen mich draußen.
Ich rüttel an der Klinke,
schreie.
Dann ein Knall, und Feuer.
Schreie.
Ich werde sein Lachen nicht mehr hören
Liebe in seinen Augen aufblitzen.
Ich lasse mich einfach fallen,
von Soldaten wegtragen.
Ich schließe die Augen, schlafe ein,
und will nie wieder aufwachen.


© bambinili

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