Sprung ins Wasser


Ich stehe auf der Brücke,
die Beine zum Sprung angespannt,
ich sehe den Mond, die Sterne, nach denen ich immer greifen wollte.
Blutrot schwimmen sie , im immer heller werdenden Himmel.
Sie verschwinden, aus meinem Blick,
lassen mich alleine,
mit meiner Trauer,
Wut.
Ein Stein, fällt von der Brücke,
auf das Wasser, metertief darunter.
Kreise,
schwimmen um den Stein,
hüllen ihn ein, in ihre Wellen.
Und er sinkt.
Meine Beine sind gespannt,
meine Sehnen,
meine Seele,
mein Herz zerreißt.
Und ich springe, falle,
damit die Wellen mich verschlucken,
in ihre Kälte.
In ihren Tod.


Kälte, lässt mein Herz rasen,
Gedanken,
Erinnerungen, entgleiten mir.
Licht, schreien meine Augen,
Luft, meine Lungen,
Wärme, mein Herz.
Doch ich tauche,
tiefer.
Stimmen locken mich,
Gesang,
wunderschön.
Silberne, goldene Verse,
umschwirren meinen Geist.
In den Tiefen dieses Wassers,
groß wie ein Ozean,
eine neue Welt,
die ich betreten habe.
Eine Pforte,
unsichtbar.
Pflanzen, Tiere, vollkommenes Leben,
in das ich Einblicke gewinne.
Fische tanzen mit mir,
Algen umarmen mich.
Und ich tanze mit,
umarme zurück.



Ich tauche immer tiefer,
Geheimnisse, verborgen im Dunkeln,
der Druck auf den Ohren nimmt zu,
meine Hände teilen das Wasser,
meine Füße sind nicht mehr.
Ein Fischschwanz, im Dunkeln rot schimmernd,
zieht eine Spur von tausenden Sternen,
die am Himmel den Mond bewundern.
Geheimnisse, im Dunkeln verborgen,
ich suche sie, ich finde sie.
Luft, ich brauche Luft!
Meine Lungen schreien, sie weichen den Kiemen.
Ich kann atmen.
Andere Nixen finden mich,
weinend,
nach meiner Familie.
Nie wieder Sonnenschein.
Geheimnisse, im Licht verborgen.

Zweifel, erfüllen mein Herz,
meine Seele,
meinen Geist,
meinen Körper, dessen Fischschwanz sich so sehr windet,
war es richtig,
zu gehen ohne Abschied?
Zu spät, zu spät, singen die Nixen.
Bist eine von uns, unser Mädchen.
Kannst nicht gehen.
Wahr, denke ich.
Winden des Fischteils.
Mein Herz wird leer.
Mein Kopf dreht sich zu Oberfläche,
wo das Licht sich bricht.
Tausende Spiegel.
Mir wird warm, die Kälte tut mir nichts,
und ich bin eine Nixe.
Herrin des Meeres.
Stimmen, lieblicher als Gottes Wort es sein könnte,
Engel.
Und zum zweiten Mal,
falle ich.
Meine Seele,
ins Dunkeln.
Doch diesmal bin ich nicht allein.


Sie haben einen Namen für mich.
Rubinmädchen,
wegen meinem Schwanz.
Auch hier,
im Dunkeln,
fängt er Strahlen auf,
und bricht sie,
mit tausendfachen Strahlen.
Wie die Sonne.
Ein Seufzer,
legt sich auf meine Lippen,
nur um von den Wellen hinfortgespühlt zu werden.
Ich versuche ihn wieder einzufangen,
doch er ist weg.
Hinfort.
Ich vermisse die Sonne,
schon jetzt.
Wie lange war ich hier?
Eine Stunde,
zwei Stunden
ein ganzes Jahr?
Ich spüre meinen Herzschlag nicht mehr.
Er setzt aus,
unregelmäßig,
und dann gar nicht mehr.
Und ich weiß:
Ich war keine Nixe,
es war eine Vorstellung,
ein wunderbarer Traum,
denn jetzt bin ich tot.


© bambinili

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